Fahrbericht Alpen aus Sicht eines norddeutschen NICHT-Testfahrers

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    • Fahrbericht Alpen aus Sicht eines norddeutschen NICHT-Testfahrers

      Getestet wurde ein 3 Jahre alter Juke mit 190PS, 6 Gang-Schaltung und Vorderradantrieb mit Ausstattung Tekna bei einer bisherigen Laufleistung von 61000km .

      Reisetauglichkeit:
      Für 2 Erwachsene mit dem üblichen Gepäck bietet der Juke ausreichend Platz.
      Endgültige Schmerz oder Ermüdungserscheinungen traten erst ansatzweise nach einer Strecke von 1000km auf.
      Die oft erwähnte geringe Reichweite durch kleinen Tank und relativ hohen Verbrauch stellte kein Problem da, der aus medizinischen Gründen empfohlene Bedarf nach einer kleinen Pause kommt früher als der Tankstopp, beides läßt sich gut miteinander verbinden. Im Hinblick auf die erste Nacht am Zielort machte sich der Juke ebenfalls nicht negativ bemerkbar, keine "langen Arme," keine "schweren Beine" und auch keine intensive Träume von Motor- und/oder Laufgeräuschen.

      Fahrwerk/Fahrverhalten:
      Auf der Autobahn liegt der Juke bei Reisetempo natürlich nicht ganz so ruhig wie eine Mittelklasselimosine, die gefühlten Unterschiede sind aber überraschend bedeutungslos gering und werden durch die "altersgerechte" Sitzposition gefühlt voll ausgeglichen. Plötzliche Bremsungen und auch sportliche Spurwechsel führt der Juke sehr sicher aus und vermittelt ein gutes Vertrauen. Lediglich in Baustellenbereichen kann es auf der oft nur 2 Meter breiten linken Spur unangenehm werden, mit 1.97m Breite gemessen Aussenkante Aussenspiegel zu Aussenspiegel reiht sich der Juke nicht in seine Kleinwagenklasse ein. Fahrbar ja, aber mit entsprechend hoher Konzentration.
      Im Hochgebirge der Alpen zeigt das Serienfahrwerk mit Serienbereifung fast nur Stärken. Bei den ortsüblichen Steigungen um die 13 - 15% gibt es selbst auf
      nassen oder stark verschmutzten Straßen keine Probleme beim Anfahren. Bei vielen unbefestigten Parkplätzen oder Seitenstreifen in Schräglage blieb das berühmte Trommelfeuer von Schottersteinchen in Radkästen und am Bodenblech gänzlich aus, das RICHTIGE Zusammenspiel von Gas und Kupplung ist leicht beherschbar und wird deutlich unterstützt durch die schon in Serie mit 215mm sehr breiten Reifen für einen nur 1300kg schweren Kleinwagen.
      Schnell gefahrene scharfe Kurven und Kehren egal ob bergauf oder bergab brachten die Reifen nicht zum Quietschen selbst bei gewollter Übertreibung, die dann aber schnell in einer veränderten Sitzposition und Klimmzügen am Lenkrad endete. Das Fahrwerk gibt einem somit auch bei sehr sportlicher Fahrweise ein sehr gutes Vertrauen, der Seitenhalt der Seriensitze aber nicht in solchen Extremsituationen, hier ist eine Schwäche. Als weitere deutlich spürbare aber nicht sicherheitsrelevante Schwäche ist ein frühzeitiges Einsetzen des ABS zu vermerken bei plötzlich starken Bremsungen bergab bei schon nur leicht feuchten Straßen aus Tempo 40-50kmh heraus. Der Juke bleibt leicht beherrschbar in Spur und gewählter Richtung, jedoch ist man oft gezwungen zu solchen Aktionen, da auf schmalen Passstraßen mit scharfen Kurven Niemand an der nächsten Felswand um die Ecke schauen kann und Gegenverkehr kommt unverhofft oft.

      Motorleistung:
      Die einzig erkennbare deutliche Schwäche zeigt sich in steilen Bergaufpassagen durch den Turbowirkbereich, der erst ab 2000RPM beginnt. Abgesehen vom 1. und 2. Gang geht hier nichts unterhalb von 2000RPM, das Gesamtsysthem ist sehr schnell überlastet und bricht völlig zusammen trotz Vollgasgabe ! So traurig das auch erscheinen mag, so bärenstark ist der Juke, wenn man ihn in zur Geschwindigkeit angepasster Gangauswahl ÜBER 2000RPM hält. Es ist ein himmelweiter Unterschied in der Leistungsenfaltung, ob man den Motor auf 1800 oder 2200RPM drehen läßt, egal in welchem Gang von 3 bis 6. Aus einem eben gerade noch völlig überfordertem Kolbenantrieb wird nur durch diesen RPM Unterschied eine gefühlte Turbine eines Senkrechtstarters um es zu verdeutlichen. Dabei ist zu bemerken, dass man nicht gezwungen ist über 3000RPM zu drehen vor nächstem Hochschalten bis Gang 5, erst beim möglichen Wechsel zu Gang 6 sollte man überlegen, ob man nicht lieber im 5. Gang bleibt, denn auch Bergauf gelten Tepobeschränkungen und es wird gerne geblitzt in den Alpen.

      Verbrauch:
      Bei Reisegeschwindigkeit 120-130kmh liegt man um die 8 Liter +- 0,5L.
      Im Hochgebirge hat man aber die Qual der Wahl.

      Der Genießer:
      Fährt tendenziell zu langsam um Landschaft und Passstraße mit herlichem Ausblick zu betrachten. Dadurch wird aber bei bergauf dem Turbowirkbereich gezollt in zu niedriegem Gang gefahren, das kostet Sprit. Währen man in der Ebene im 6. Gang problemlos bis zu NUR 54kmh fahren kann ist bei deutlich bergauf schon 80kmh erforderlich um nicht unter 2000RPM zu fallen und den Motor abzuwürgen.

      Der Sportliche:
      Wird immer die maximal mögliche Höchstgeschwindigkeit an Straßensituation und Geschwindigkeitsbeschränkung fahren wollen, kommt somit schnell zu den höheren Gängen und hält den Juke im 2000-3000RPM Bereich in höheren Gängen, sowas spart Sprit denn wo es bergauf geht, geht es dann auch wieder bergab. Der Gesamtverbrauch hängt am Ende nur davon ab, wie man bergauf gefahren ist, denn bergab verbrauchen wir alle das Gleiche = 0,0 nix Liter, Abschaltung Spritzufuhr bei Schubbetrieb. Man sieht aber nichts von der Landschaft und rauscht an schönen Aussichtspunkten vorbei und so richtig Urlaub machen in den Alpen ist das nicht.

      Der Vollgasverrückte:
      Grinst von einem Ohrläppchen bis zum Anderen weil bergauf so manche 8-12 Zylinder Premiumklasse erst gar nicht versucht, zu überholen, die Straße gibt das nicht her wenn er son Druck macht. Er läßt die Maschine selbst im 2. Gang bis kurz über die 5000RPM drehen, bevor er schaltet und weiß bereits, wie scharf die nächste Kurve wird und wo die Blitzer stehen. Dabei geht der Juke wie verrückt und die Maschine hört sich knackig drehfreudig an, absolut sportlich angenehm. Die Schaltwege der Gangschaltung wirken zwar etwas zu lang aber das läßt sich mit flinker Hand schnell regeln. Die Abstufung der Gänge und die Schaltung insgesammt sind gelungen und das nutzt er. Hierbei werden aber die Verbrauchsbalken im Monitor so kurz, wie der Dödel beim Anbaden Nordsee im Januar, alles hat seinen Preis.

      Zum Verbrauch kann man somit nichts Konkretes sagen. Nach letzter Tankfüllung war ich als Sportlicher 130km unterwegs und mein BC zeigte 6,0L an. In den letzten 2 Tagen war ich auf Hinweg von Unterkunft zum Ziel aber als Genießer unterwegs und zurück als Vollgasverrückter, BC zeigt nun 7,0L an und die Ohrläppchen tun weh vom Grinsen.

      Fazit:
      Als Reisemobil für 2 Personen zu und in den Alpen macht der Juke eine sehr gute Figur.
      Er ist leicht beherschbar, kraftvoll und liegt in den Sommermonaten sehr gut auf der Straße, somit sind die 4WD Modelle nach meinem Dafürhalten erst bei Schnee und Eis endgültig vorzuziehen.
      Die Teknaausstattung mit Geschwindigkeitsregelanlage, Regensensor, Lichtsensor und Rückfahrkamera ist sehr angenehm bei langen Autobahnfahrten, häufig wechselnden Wetterbedingungen, vielen plötzlichen Tunnelpassagen und beim Rangieren auf an Abhängen gelegenen Parkplätzen.

      Der Juke, mein bisher bestes Auto :thumbup:

      ... bilder als link in Signatur dazu erst in ca 5 Tagen

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